Unternehmensgeschichte Textilkaufhaus Strickling
Gelsenkirchen-Horst ohne die Stricklings – das ist vielen zwischen Schloss Horst und Hippolytuskirche kaum vorstellbar.
Seit Jahrzehnten ist die Familie nicht nur mit ihrem Textilgeschäft in der Emschergemeinde präsent, sondern engagiert sich auch unentwegt für die Interessen des Ortsteils und seiner Vereine.
In dritter Generation ist die Familie in Horst-Mitte zuhause.
Die Wurzeln des Familienbetriebs liegen allerdings in Rotthausen, wo Bernhard Strickling, der Vater des langjährigen und vor eineinalb Jahren verstorbenen Inhabers Paul Strickling, 1923 als 26-Jähriger zunächst mit einem Papierwarenladen angefangen hatte.
Schon wenig später erweiterte der junge Geschäftsmann seinen Laden und stockte das Sortiment um Kurzwaren auf. Der erste Schritt in Richtung Textilien.
1936 - inzwischen verheiratet - ergriff Bernhard Strickling zusammen mit seiner Frau Elisabeth eine weitere Chance zur Geschäftsausweitung und übernahm in Horst das alteingeführte Textilfachgeschäft Halbeisen an der damaligen Schloßstraße.
Beide Geschäfte wurden 1944 durch Bomben zerstört.
Nach Kriegsende baute Strickling nur das in Horst zum Teil wieder auf. „Den älteren Horstern ist noch bekannt, dass sich das Textilhaus Strickling und das Café Plaßmann damals ein Ladenlokal teilten”, so Seniorchefin Heidi Strickling (64), die seit 1958 im Laden steht.
Sie absolvierte bei Stricklings bereits ihre kaufmännische Lehre und heiratete 1967 den Sohn der Familie, Paul Strickling, mit dem sie seitdem die Geschicke des Familienbetriebs gemeinsam führte. Denn im gleichen Jahr, in dem sie heirateten, musste Paul Strickling im Alter von 30Jahren, nach dem plötzlichen Tod seines Vaters und seiner Mutter (innerhalb von nur 14 Tagen), die Leitung des Geschäfts übernehmen.
Wenig später standen er und seine Frau Heidi vor einer weiteren Herausforderung: Sie wurden mit ihrem Geschäft bei der Neustrukturierung von Horst-Mitte durch die Stadt „planverdrängt”.
Anfang der 70-er Jahre verwirklichten sie den Neubau des heutigen Textilhauses samt Wohnkomplex auf dem ehemaligen Marschall-Rütger-Platz (Horster Stern). Die Verkaufsfläche von heute 800 qm war damals mehr als verdoppelt worden.
Schon Vater Bernhard schaute all die Jahre über den Tellerrand des eigenen Ladens und kümmerte sich um seine neue Heimat Horst.
Er war Mitbegründer der Werbegemeinschaft Horst, die sein Sohn Paul später über 30 Jahre lang führen sollte. Als unermüdlicher Kämpfer für den Standort Horst machte sich der Ende 2005 überraschend verstorbene Kaufmann, der nicht selten scherzhaft, aber anerkennend „heimlicher Bürgermeister von Horst” tituliert wurde, einen unvergesslichen Namen. Immer wieder setzte er sich für die Interessen Horsts und seiner Vereine ein.
1982 stand er dem Festkomitee „700 Jahre Horst” vor. Seit seinem Tod führen seine Kinder Ute Vieth (38) und Bernhard Strickling (36), beide schon lange im Familienbetrieb tätig, gemeinsam mit ihrer Mutter Heidi die Geschäfte des Unternehmens, das derzeit 23, in der Regel langjährige Mitarbeiter zählt.
„Es ist eine große Herausforderung”, gestehen die Strickling-Kinder. „Aber unser Vater hat ganz schön große Schuhe hinterlassen.”
Das Geschäft werden sie auf alle Fälle weiterführen. „Stricklings werden Horst treu bleiben.” Und zumindest im Fall der Tochter wächst schon die vierte Generation heran.
